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Der Name 

Könnten Sie das bitte buchstabieren?
Der Familienname

Sonstige Namensträger
Geographische Namen

 

Könnten Sie das bitte buchstabieren?

Durchaus keine seltene Frage bei einem seltenen, vielleicht sogar seltsamen Namen. Ein Mensch des Mittelalters hätte dieses Problem nicht gehabt. Vorausgesetzt, er war des Schreibens überhaupt mächtig, hätte er den Namen einfach dem Hörensagen nach zu Papier gebracht (und weil man das tatsächlich noch lange so gehalten hat, heißt die Familie heute nicht nur Hartard, sondern auch Hardardt, Hardart, Hartart, Hartert oder Hardert). Zumindest aber hätte der mittelalterliche Schreiber den Ursprung des Namens schnell erraten und gewußt, daß es sich eigentlich um einen Vornamen handelt, der aus zwei Wörtern zusammengesetzt ist: nämlich hart, was im alten Sinne soviel wie ‚kühn, stark‘ bedeutet, und rat, was den Ratschlag oder den Ratgeber bezeichnet. Ähnlich wie ‚Konrad‘ meint ‚Hartrad‘ also einen kühnen, einen starken Ratgeber. Bis ins 15. Jahrhundert hinein schrieb man deshalb ‚Hartrad‘ oder ‚Hartrat‘ (sogar ‚Hartrot‘ und ‚Hartrut‘), ab dem 16. Jahrhundert zunehmend ‚Hartard‘ oder ‚Hartart‘. In derselben Zeit setzte auch die Verschleifung des Namens ein, die ‚Hartard‘ zu ‚Hartert‘, ‚Hardert‘ oder ‚Harter‘ werden ließ, aber auch umgekehrt ‚Harter‘ zu ‚Hartert‘ und ‚Hartart‘: „–er, –ert wechselte in der Schreibweise des 16. Jhs. gern mit –art infolge der Unsicherheit, die durch den Lautwandel –art: –ert: –er bzw. –er: –ert in Pers. N. entstanden war“ (Bahlow, S. 139). Die Herkunft des Namens muß also für jeden Einzelfall gesondert geprüft werden, denn nicht immer liegt ihm der Personenname ‚Hartrad‘ zugrunde. Die schlesischen Hartert etwa treten zwar im 16. Jahrhundert als ‚Hartart‘ oder ‚Hartard‘ urkundlich in Erscheinung, so Balthasar Hartert / Hartardt (Liegnitz 1560), Kaspar Hartard (1557 stud. Wittenberg, später Lehrer in Goldberg / Schlesien und Bürgermeister in Haynau) oder David Hartard (Pastor in Seebnitz bei Lüben, um 1650); ihren Namen jedoch haben sie wohl von den schlesischen Ortsnamen ‚Hartha‘ bzw. ‚Hartau‘ erhalten, sofern nicht ‚Harder‘, die schlesische Bezeichnung für den Schäfer, hineinspielt. In anderen Fällen mag ‚Hartert‘ auch ‚der am Wald oder an der Weidetrift Wohnende‘ meinen, mit auslautendem ‚-t‘ von älter: ‚Harter‘; in bezug auf die Weinbeere schließlich bedeutete ‚hartrot(h)‘ einst soviel wie ‚rot, hartschalig‘.

Als Personennamen findet man ‚Hartrad‘ mindestens seit dem 7. Jahrhundert. Ein thüringischer Graf Hardrad etwa empörte sich 785 gegen Karl den Großen und wurde nach der Niederschlagung des Aufstandes 786 hingerichtet. Auch dem norwegischen König Harald III. (*1015, †1066), dem Gründer Oslos, wurde der Name beigelegt. In die Geschichte ist er als Harald Hardråde, der Strenge, eingegangen; von seinem Versuch, England zu erobern, berichtet der berühmte Teppich von Bayeux. Im Mittelalter ist der Name vor allem im südhessischen Raum verbreitet, nicht zuletzt wohl durch das hier einflußreiche Geschlecht der Herren und Grafen von Merenberg: bei ihnen ist ‚Hartrad‘ über zehn Generationen hinweg Leitname, vom Stammvater Hartrad I. (um 1090) bis zum Letzten des Hauses, Hartrad VII.; auch der 1031 und 1051 genannte Hartrad, Bruder des heiligen Mainzer Erzbischofs Bardo, gehört hierher. Bis zum 18. Jahrhundert ist ‚Hartrad‘ oder ‚Hartard‘ dann ein nicht eben häufiger, aber vor allem in Südwestdeutschland durchaus nicht ungewöhnlicher Taufname. Während der Regierungszeit des Mainzer Erzbischofs Damian Hartard von der Leyen (†1678) und seines Bruders, des Trierer Erzbischofs Karl Kaspar von der Leyen (†1676), war er in beiden Hochstiften sogar einigermaßen beliebt, ebenso später im Bistum Speyer während der Regentschaft des Fürstbischofs Heinrich Hartard von Rollingen (†1719). Heute ist er allerdings bis auf wenige Ausnahmen (wie den hessischen Architekten Hartrad Meyer-Seipp, *1924) ganz verschwunden. 

Der Familienname

Als Familienname ist ‚Hartard‘ natürlich jünger. Im Bürgertum kamen erbliche Zunamen erst ab dem 12. Jahrhundert auf, als in den bevölkerungsreichen Städten an den großen Flußläufen und Kaufmannsstraßen – etwa in Wien, in Regensburg, in Basel, Straßburg, Speyer, Mainz, Frankfurt oder Köln – die bloßen Ruf­namen nicht mehr für die sichere Unterscheidung der Bewohner genügten. Zunächst behalf man sich mit Beinamen, die aber lediglich der näheren Bezeichnung einzelner Personen, nicht ganzer Familien dienten und daher kaum ihren Träger überlebten. Sie nahmen Bezug auf dessen Herkunft, Beruf oder Wohnstätte, auf äußere Kennzeichen oder Wesensmerkmale, auf den Namen des Vaters oder, seltener, den der Mutter. Sicherlich entscheidend befördert durch die Eintragung solcher Namen in offizielle Urkunden wie Bürgerbücher oder Steuerlisten wandelten sie sich allmählich zu den erblichen Benennungen der Geschlechter, wie sie im deutschen Sprachraum seit dem 13. bis 14. Jahrhundert gebräuchlich werden.

Bei einem im 13. Jahrhundert in Wien bezeugten Konrad Hartrad etwa zeigt sich, daß der Prozeß der Namensbildung damals noch nicht ganz abgeschlossen war: als Konrad um das Jahr 1260 mit seiner Frau Jutta der Abtei Heiligenkreuz zwei Pfund jährlicher Gülten zu Nieder-Hollabrunn vermacht, urkundet er als „Chunradus dictus Hartrat“ (Konrad, genannt Hartrat); als er 1271, mittlerweile Witwer, dem Kloster Lilienfeld einen Hof in „Imzeinsdorf“ (Inzersdorf) und eine Wiese in Erlaa übergibt (zwei Besitzungen, die wenig später von seinen Verwandten Kunigunde und Konrad von Heiligenstadt erfolglos vom Lilienfelder Konvent zurückgefordert werden), entfällt das „dictus“ – der Beiname ist zum Familiennamen geworden. Ähnliches ist der Fall bei dem im Jahr 1296 erwähnten Leipziger Ratsherrn Heinricus Hartradi: hier verrät der Genitiv noch die Herkunft vom Vatersnamen. 1318 indes finden wir denselben Heinrich als „Henricus Hardrat“ in den Urkunden. Ab dem 14. Jahrhundert erscheint der Name nun durchweg in dieser verfestigten Form, so 1315 mit Johann Hartrat in Brüx (tschech. Most, in Böhmen) oder mit den zahlreichen Namensträgern aus dem oberhessischen Raum (Frankfurt, Wetterau, Dreieich, Taunus), auf die im folgenden näher eingegangen wird.

Sonstige Namensträger

Zunächst sei aber noch auf verschiedene Namensträger verwiesen, bei denen sich kaum eine Verbindung mit unserer Familie herstellen läßt. Neben den schlesischen Hartert gilt dies mit großer Sicherheit für die eben genannten Hartrad in Leipzig, Wien und Brüx. Es wäre spekulativ, sie in die Geschichte der oberhessischen Hartrad / Hartart einbeziehen zu wollen, wenngleich solche familiären Verbindungen aufgrund der weitreichenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen den mittelalterlichen Städten Deutschlands natürlich nicht grundsätzlich auszuschließen sind. So waren etwa die wichtigen Messeplätze Frankfurt und Leipzig durch drei große Handelswege miteinander verbunden: die Hohe Straße sowie die Straßen „durch die langen“ und „durch die kurzen Hessen“; die meisten hessischen Orte, an denen unsere Familie im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ansässig ist, liegen mehr oder weniger an einer dieser Routen (so Friedberg, Butzbach, Grünberg, Altenstadt, Alsfeld, Rauschenberg). Auf halbem Weg zwischen Hessen und Leipzig, im thüringischen Nägelstedt (bei Bad Langensalza, nahe Erfurt), erscheint auch schon 1278 ein Heinrich Hartradi als Zeuge einer Urkunde des Deutschen Ordens; ob ein Zusammenhang mit einem Heinrich Hartradi in Dieburg bei Frankfurt (mehr) oder dem gleichnamigen Leipziger Ratsherrn besteht, sei dahingestellt – sehr plausibel ist es freilich nicht.

Nicht undenkbar, aber aufgrund der Distanz zum Frankfurter Raum eher unwahrscheinlich ist auch eine Verbindung zu den Hartrad im nördlichen Hessen: zwischen 1298 und 1300 findet man in Volkmarsen (nordwestlich von Kassel) den Ratsherrn (und Bürgermeister?) Konrad Hartradi sowie im Jahr 1325 seine Witwe Gertrud; nicht weit voneinander südöstlich von Kassel erscheinen Kunne Hartrades (†1432 in Wickenrode) und Hans Hartrodt (1479 Ratmann zu Eschwege). Vielleicht gehört hierher auch ein Wigand Hartard, der 1592 als Schüler am Marburger Paedagogium genannt wird, da er offenbar aus Oberdens, einem Ort nahe Eschwege, gebürtig ist (mehr). Eine Verbindung zu den Marburger (sowie den Alsfelder und Rauschenberger) Hartrad (mehr) wäre ebenfalls möglich.

Vermutlich jüdischen Ursprungs (und ausweislich seines Wappens – drei goldenen Judenhüten im blauen Feld – vielleicht eines Stammes mit der Familie von Jüdden) ist das kölnische Patriziergeschlecht Hardenrath. Sein Stammvater Johann Hardenrath (†vor 1479) war im 15. Jahrhundert aus Hameln an der Weser nach Köln gezogen; durch Tuchhandel und Kreditgeschäfte reich geworden, stiftete er im Jahr 1466 zusammen mit seiner Frau Sybilla Schlößgin die Salvators- oder Hardenrathskapelle in der Kirche St. Maria im Kapitol. Von seinen Nachkommen war Johann d. Ä. Hardenrath (†1602) Kanzler des Herzogtums Jülich, dessen Bruder Johann d. J. Hardenrath (†1630) seit 1584 insgesamt 16mal Bürgermeister von Köln.

Von dem Taufnamen ‚Hartard‘ oder ‚Hartrat(h)‘ abgeleitet sind möglicherweise auch die Namen der noch bestehenden Familien Hartrath (im Raum Wiesbaden / Mainz / Trier: so etwa der Weingutbesitzer Medard Hartrath, bis 1922 Vorsitzender der Trierer Zentrumspartei und 1912-1918 Abgeordneter des Deutschen Reichstags), Harterath, Hardrat, Hardraht und Hardrath sowie Namen wie Hartroth (im Rheinland), Hartrodt (Thüringen) oder (von) Hartrott; sie können aber ebenso zur Gruppe der Herkunftsnamen gehören, Familiennamen also, die ihre Wurzel in Orts- und Flurbezeichnungen haben: ‚hart‘ bedeutet ‚Wald‘‚ und -rott‘/ ‚-rodt‘/ ‚-rode‘ sind in Hessen und Thüringen häufige, auf eine Rodungssiedlung hinweisende Endungen von Ortsnamen. Für die nordhessischen Namensträger käme als Ursprung etwa Hartenrod westlich von Marburg in Frage, für die rheinischen Familien die – heute untergegangene – Ortschaft Hartrath. Nach dem Ort Hardert (älter: Hartenrode) im Westerwald wiederum benennt sich im Spätmittelalter ein niederadliges Geschlecht, das 1553 mit Johann von Hardert ausstirbt. Hierher gehören wohl auch Johann von Hardert (von Hartart) und seine Frau Elisabeth, die um 1450 in einem Anniversar des Klosters Marienstatt im Westerwald erscheinen. Auch bei dem 1294 urkundlich genannten, in Coveren (=Kobern) begüterten Ritter Guillaume de Hartert muß angenommen werden, daß der Name Hartert sich auf eine Besitzung bezieht, vielleicht das Dorf Hardert auf der rechten Rheinseite, das wie Kobern in der Nähe von Koblenz liegt. Ähnliches ist für den 1335 erwähnten Koblenzer Schöffengerichtsschreiber Johann Hardert zu vermuten, da er auch unter dem Namen de Hartrode vorkommt.

Geographische Namen

Umgekehrt existieren Ortsnamen, die ihrerseits von dem Personen- oder Familiennamen ‚Hartrad‘ herstammen: so das oberösterreichische Harterding, nahe dem Inn; Hardradinchus (nach dem sich 1249 ein Dortmunder Bürger nennt: Wessel von Asseln gen. de Hardradinchus); Hartershausen bei Fulda (891: Hartrateshus, später Harteratishusen, Harttarshusen); Hardradessen, Name zweier nordhessischer Wüstungen (im Kreis Waldeck bzw. im Kreis Wolfhagen), Harreshausen, heute ein Ortsteil von Babenhausen, beim hessischen Dieburg (12. Jh.: Hardirshusen, 1320: Hareshusen), Hartradisbusz, ein Flurstück bei Frankfurt-Bockenheim (1301). Die Eifelburg Hartelstein (älter: Hartradstein) bei Prüm, heute Ruine, die 1341 unter luxemburgische Lehenshoheit fällt, führt ihren Namen nach dem Erbauer, Hartrad von Schönecken aus dem Hause der Grafen von Vianden; das ehemalige Schloß Hartelstein bei Itteren, nördlich von Maastricht im niederländischen Limburg gelegen, kommt auch unter der Bezeichnung Hartard vor; eine Bastion der Festung Mainz aus dem 17. Jh. erhielt den Namen Hartard nach dem Mainzer Erzbischof Damian Hartard von der Leyen. Der Ort Hartershofen nördlich von Rothenburg ob der Tauber, der ursprünglich nach seiner Besitzerfamilie Storrenhofen genannt wurde, wechselte zur Mitte des 14. Jahrhunderts seinen Namen zu Hartradshofen, als er in das Eigentum des Rothenburger Patriziers Heinrich Hartrad überging.


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Literatur und Quellen (Auswahl):

Hans Bahlow: Deutsches Namenslexikon. Familien- und Vornamen nach Ursprung und Sinn erklärt. Neustadt a. d. Aisch 1972
Ernst Wilhelm Förstemann: Altdeutsches Namenbuch. Bd. 1, 1900 (Nachdruck München/Hildesheim 1966)
Jacob Grimm/Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854-1960
Carl-Friedrich von Posern-Klett/Joseph Förstemann
(Bearb.): Urkundenbuch der Stadt Leipzig. Bd. 1, Leipzig 1868, Nr. 21/Bd. 2, Leipzig 1870, Nr. 36
Johann Nepomuk Weis (Bearb.): Urkunden des Cistercienser-Stiftes Heiligenkreuz im Wiener Walde. Wien 1856, S. 148f.
Gerhard Winner (Bearb.): Die Urkunden des Zisterzienserstiftes Lilienfeld 1111-1892 (= Fontes Rerum Austriacarum II/81). Wien 1974, S. 64, 82